Wir finden ihn überall, den Getränkekarton: bei Wein, Milch und Säften, Pudding, Sahne und Soßen. Und es ist nicht nur das geringe Gewicht und das gute Transporthandling, welches ihn so beliebt macht. Der Getränkekarton – umgangssprachlich oft Tetra-Pak genannt – besteht zu ca. 75% aus Zellstoff. Außen und innen ist er mit dem Kunststoff "Polyethylen" beschichtet. Bei Produkten, die lange haltbar sein sollen, kommt noch eine hauchdünne Aluminiumauflage hinzu. Und ganz wichtig: er ist wiederverwertbar.
Voraussetzung für ein Recycling dieser Getränkekartons ist, dass Sie diese in unserer Gelben Tonne AWV PLUS zusammen mit anderen Wertstoffen fleißig sammeln. In der Sortieranlage Untitz landet jede LKW-Ladung erst einmal auf einem großen Berg in der Sortierhalle neben dem Tor. Dort beginnt die Sortierung mit einer „Sackaufreißanlage“. Auf parallel laufenden Fließbändern werden anschließend die einzelnen Kunststoffe, Metalle und anderen Wertstoffe mittels verschiedener Verfahren und auch in Sortierung per Hand nach Größe und Beschaffenheit in einzelne Fraktionen getrennt. Eingesetzt wird auch ein technisch interessantes Verfahren, in welchem man sich zunutze macht, dass die verschiedenen Materialien unter Infrarotstrahlung unterschiedlich reflektieren (wir verweisen auf unsere Folge 1 und 2 im Amtsblatt zu diesem Thema).
Die in der Sortieranlage Untitz aussortierten Getränkekartons werden für die Verwertung gesammelt. Ist eine bestimmte Menge zusammen gekommen, erfolgt eine Meldung an die ReCarton Gesellschaft für Wertstoffgewinnung aus Getränkekartons mbH, Berlin. Sie koordiniert das Recycling gebrauchter Getränkekartons und beauftragt eine Spedition mit der Abholung. Bei der ReCarton GmbH werden die Mengen registriert, d.h. sie führt den sogenannten „Mengenstromnachweis“. Damit kann gegenüber den Landesumweltministerien auf die Tonne genau dokumentiert werden, wie viele Getränkekartons in einem Jahr verwertet wurden.
Die Getränkekartons aus ganz Thüringen verwertet die Mondi Raubling GmbH. Sie gehört zu den Recycling Pionieren: Bereits seit 1993 werden im Werk Raubling bei Rosenheim gebrauchte Getränkekartons verwertet. Über 140 Mitarbeiter stellen hier aus Getränkekartons und Altpapier Wellpappenrohpapiere her. Raubling erzeugt am Standort seine eigene Energie, mit einem Kraftwerk, das nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsprinzip arbeitet. Getränkekartons zu recyceln ist technisch nicht viel aufwändiger als das Recycling von Zeitungen oder Wellpappe. In einer Auflöse-Trommel rotiert ein ca. 30 Meter langer Metallzylinder mit einem 3-Meter-Durchmesser. Wie in einer Waschmaschine werden die zuvor zerkleinerten Getränkekartons unter Zugabe von Wasser „geschleudert“. Chemikalien werden nicht eingesetzt.
Im Inneren der Trommel befinden sich Schaufeln, die das Material nach oben transportieren, von wo es wieder nach unten fällt. Durch den Aufprall zerfasert der vom Wasser aufgeweichte Papieranteil und löst sich von den Folien. Aus dem anfangs festen Karton wird so ein wässriger brauner Faserbrei. Im zweiten Teil der Trommel befinden sich kleine Löcher, durch die der Faserbrei abgeschwemmt wird.
Anschließend wird er in mehreren Prozessschritten gereinigt, eingedickt und zur Papiermaschine gepumpt. Endprodukt ist ein Wellpappenrohpapier. Es dient als Grundmaterial für Wellpappenverpackungen. Hierzu zählen z.B. Waschmittelverpackungen, Umzugskisten, Transportkartons und Hülsenkartons sowie Papiersäcke.
Papiersäcke oder -tüten finden im Haushalt auch als Biotüten Verwendung, Pappen und Kartonhülsen werden über die Blaue Tonne entsorgt und damit beginnen neue Kreisläufe ... Grafik: Fachverb. Kartonverpackung flüssige Nahrungsmittel e.V. Recyclingprodukte: Trays aus weißgedecktem Wellpappenrohpa