Im Jahr 2008 haben die Verbandsräte des AWV Ostthüringen beschlossen, Wertstoffen, die bisher in der Hausmülltonne landeten, eine Chance auf Verwertung zu geben. In die vorhandene Gelbe Tonne dürfen daher seit 2011 neben Verpackungen aus Kunststoff, Metall und Verbundmaterialien auch Nichtverpackungen aus Kunststoff und Metall. Doch wohin gehen die ausgedienten metallischen Gegenstände wie Badezimmer-Armaturen, Backformen, Bestecke und Werkzeuge aus der Gelben Tonne AWV PLUS ? Sie landen nach Leerung Ihrer Gelben Tonne mit den anderen Wertstoffen in der Sortieranlage Untitz. In der Sortieranlage werden die Metalle durch einen über dem Sortierband hängenden Magnetabscheider aus dem Abfallstrom gezogen. Die Teile fallen in eine Box, deren Inhalt wiederum in einen eigens dafür aufgestellten Container umgelagert wird. Dieser gehört der Firma Scholz Recycling GmbH & Co. KG (Tel. 0365/32002), ein Vertragspartner unseres Entsorgers GUD Geraer Umweltdienste GmbH & Co. KG. Ist der Container voll, wird das Metall zur Aufbereitung gebracht.
Wir besuchten den Schrottplatz der Firma Scholz Recycling. Viele Geraer kennen den Standort in der Gessentalstraße in Gera. Sauber und aufgeräumt präsentiert sich das Firmengelände. Im Bürogebäude erwartete uns Klaus Dörfer. Wir erfuhren, dass er eigentlich aus dem Bereich Landwirtschaft kommt. Dort qualifizierte er sich zum Werkstattmeister für landwirtschaftliche Maschinen. Seit 2012 führt er als Standortleiter die Niederlassung in Gera, die heute wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Der anschließende gemeinsame Rundgang war beeindruckend. Das Betriebsgelände hat mit einem „Schrottplatz“ im herkömmlichen Sinne gar nichts mehr zu tun, sondern hier geht es um das Recycling von Sekundärrohstoffen mit höchster Präzision. „Schrott in seiner ganzen Bandbreite ist ein äußerst wichtiger Rohstoff, der sich bis zu 95 % recyceln lässt, wenn er entsprechend aufbereitet wurde“, informierte uns Herr Dörfer. Und genau das wird auf seinem Schrottplatz praktiziert. Zum Einsatz kommen Presse, Shredder und Scheren. Ringsum stehen aufgereiht Container für die unterschiedlichsten Fraktionen. Gutes Geld gibt es für die Materialien Kupfer, Blei und Aluminium. Aber auch Zink, Messing, Edelstahl und Mischschrott sind einiges wert. „Der Mischschrott zum Bespiel geht in das thüringische Stahlwerk Maxhütte“ erfuhren wir, während wir auf einen größeren Sortierplatz zusteuerten. Dort waren zwei Kollegen mit der Sortierung einer frisch eingetroffenen Ladung Schrott beschäftigt - sowohl mit dem Bagger als auch manuell. Einer davon ist Oliver Rädlein. Er ist seit 23 Jahren im Unternehmen beschäftigt und ein „wirklich zuverlässiger und erfahrener Mitarbeiter“, so Herr Dörfer.
Bei unserem Besuch erfuhren wir noch mehr Wissenswertes: In Zusammenarbeit mit Abbruchunternehmen übernimmt Scholz Recycling die Demontage von Rohrleitungen und Stahlkonstruktionen in Gebäuden aller Art. Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Abbau von Industrieanlagen. Inbegriffen der Abtransport und die Aufbereitung der anfallenden Materialien.
Und nicht zuletzt ist die Firma Ansprechpartner und Aufkäufer für den Kleinschrott des privaten Bürgers.
Wir erfuhren auch von den Sorgen eines Schrotthändlers hinsichtlich der starken Preisschwankungen für den Verkauf des Schrotts zur Wiederverwertung. „Kaum hat sich die Recyclingbranche erholt, folgt der nächste Markteinbruch. Mit weiteren Schwankungen ist auch in Zukunft zu rechnen. Marktpreis und Nachfrage bestimmen den Wert der Mengen, die auf dem Hof lagern“, resümierte Herr Dörfer. Für einen Schrotthändler liegen hier enorme Unwägbarkeiten.
Der weltweite Bedarf an Schrott und Nichteisen–Metallschrott ist ungebrochen. Die natürlichen Ressourcen erschöpfen. Deshalb steuert Recycling dieser Tendenz entgegen. Es ist ein stofflicher Kreislauf, in dem nichts verloren geht. Scholz Recycling trägt dazu bei, den Kreislauf vom Sekundärrohstoff zum neuen Fertigprodukt (z. B. Stahlrohre, Armaturen für industriellen Bereich) zu schließen.
Sortierplatz der Fa. Scholz Recycling GmbH & Co. KG Oliver Rädlein auf dem Bagger beim Vorsortieren auf dem Schrottplatz