Mit dem Begriff Schrott verbindet der Mensch erst einmal etwas Minderwertiges. Da hat jemand sein Auto in ebenjenen Zustand gefahren oder billige Artikel ganz allgemein werden gern mit diesem Begriff bedacht. Dabei tut man ihm bitter unrecht. Schrott ist wohl das älteste Beispiel für Recycling – und schreibt seine Erfolgsgeschichte gerade neu. Denn Schrott ist speziell in der Stahlindustrie gefragt wie nie, wird immer teurer und damit zu einem zunehmenden Kostenfaktor. Kostete im Jahr 2001 die Tonne Schrott noch 90 €, liegen wir heute bei weit über 300 €. Zur Fraktion Schrott zählen auch die von Ihnen in der Gelben Tonne AWV PLUS gesammelte Weißblechdose und andere kleine Gegenstände aus Weißblech, z.B. Verschlüsse von Flaschen und Gläsern. Zwischenstation ist wieder die Sortieranlage in Untitz. In der Sortierstation hängt über dem Sortierband ein Magnetabscheider, welcher die Weißblechdosen und anderes Eisen-Metall aus dem Abfallstrom zieht. Die Teile fallen in eine Box für Stahlschrott. Ist die Box voll genug, wird der Inhalt zu einem großen Würfel zusammengedrückt und mit einem Draht zu einem Paket verschnürt.
In größeren Mengen gesammelt fährt eine Spedition die Pakete nach Salzgitter in die DEUMU Deutsche Erz- und Metall-Union GmbH (nachfolgend DEUMU). Selbst im rot-gelb-grünen Stadtwappen von Salzgitter kommt ein Hochofen vor. Die DEUMU kauft Schrott und bereitet ihn auf. Auf 9 Quadratkilometern wird einer der größten Schrottplätze der Republik betrieben. Anfang der 40er-Jahre gegründet beschäftigt DEUMU heute 160 Mitarbeiter. Sie bedient sich aus zwei Quellen: dem Neuschrott aus industrieller Produktion und dem Altschrott, unsere Weißblechdosen inbegriffen. Doch vor dem Einsatz von Altschrott muss dieser erst einmal aufbereitet werden.
Am Tor zum Werksgelände beginnt eine andere Wirklichkeit. Eine Idylle sieht anders aus: So weit das Auge reicht, türmt sich Schrott in den verschiedensten Sortierungen. Und die Größenverhältnisse geraten aus dem Gleichgewicht. Die Menschen sehen hier merkwürdig klein aus. Fuhre um Fuhre laden Lastwagen aus der ganzen Republik hier ab. Autowracks türmen sich neben Stapeln aus Stahlträgern, Bergen aus rostigen Zahnrädern und den müffelnden Schrottpaketen aus den Recyclinganlagen, darunter die aus Untitz. Schaut man sich die Pakete genauer an, erkennt man eingedellte Spraydosen, geknickte Konservendosen oder zerbeulte Kochtöpfe.
Der Schrott darf hier nicht lange rasten. Hier wird sortiert, gepresst, zerschnitten, geschreddert und nochmals sortiert. Gewaltige Greifer hieven unsere Schrottwürfel auf eine Anlage, die man sich wie eine monströse Kaffeemühle vorstellen muss. Diese hat fast 3000 PS. Der Schrott wird gemahlen und in Container verladen. Spätestens jetzt kann niemand mehr sagen, was genau der Schrott für ein Produkt gewesen ist. Von nun an geht es nur noch um das Metall.
Ziel der Container ist das nahe gelegene Stahlwerk. In einer riesigen Halle wird Roheisen zu Stahl in einem Konverter gekocht. Ein Mann sorgt dafür, dass genügend Altmetall vom Schrottplatz als Zugabe zur Verfügung steht. In der Schmelze ist noch zu viel Kohlenstoff. Der muss raus. Durch die Zugabe von Schrott kühlt das Roheisen ab. „Ohne den Kühlschrott“ sagt der Mann, „würden Temperaturen von über 3000 Grad entstehen. So sind es am Ende nur ca.
1700 Grad“.
Nach diesem Prozess werden dem Rohstahl noch Mangan, Silizium, Chrom, Nickel und Titan oder Molybdänzugesetzt .
Anschlie ßend wird der Stahl zu dicken Blöcken gegossen. Solch ein Block wird später zu einem Blech gewalzt und in Bänder geschnitten.
Zum Schluss wird das Band elektrolytisch verzinnt, wodurch wieder neues Weißblech entsteht.
Sicherheit wird großgeschrieben bei der DEUMU. Und das nicht nur bei den Mitarbeitern. So wird jede Lieferung per Waggon oder LKW bei der Einfahrt auf Radioaktivität gecheckt. „Stellen Sie sich mal vor, Sie unterlassen diese Kontrollen, und ein Stahlträger in einem Neubau strahlt still vor sich hin…“, so Dr. Alsleben, DEUMU-Geschäftsführer.
Ihre Weißblechdose hat ihren Weg in der Gelben Tonne AWV PLUS begonnen. Sie lief in Untitz über die Sortieranlage und wurde in Schrottwürfel verpresst. Sie rollte in einem Lastauto nach Salzgitter und wurde dort zermahlen und eingeschmolzen. Es entstand ein neues Blech. Doch der Weg ist noch nicht zu Ende. Denn was wird aus dem nagelneuen Blech? Zum Beispiel Gehäuse für neue Waschmaschinen, Teile für neue Autos, neue Konservendosen aus Weißblech und vieles andere …. Es ist ein Kreislauf ohne Qualitätsverluste. Die Umwandlung von Altschrott und Abfall in wieder einsatzfähigen Stahl ist eines der wenigen Beispiele von echtem Recycling. Hier wird aus einem Ausgangsstoff ein neues Produkt gleicher Güte und Qualität erschaffen. Der Kreislauf des Wertstoffes Weißblech ist geschlossen.